Was ich während 6 Turnierrunden auf dem schwersten Platz der PGA Tour gelernt habe

PGA Tour

Der Champions Course des PGA National Resort & Spa in Palm Beach Gardens, Florida, ist Austragungsort der Honda Classic und bekannt für die Bear Trap – die Löcher 15, 16 und 17. 2012 kletterte Rory McIlroy hier an die Spitze der Weltrangliste und Tiger Woods spielte mit einer 62 die niedrigste Finalrunde seiner Karriere. Eine 62 inklusive einem Eagle an der 18, das ist beeindruckend.

Glauben Sie mir, ich (Freddy) weiß wovon ich spreche, denn ich habe im Herbst 2014 und 2016 jeweils 3 Runden Turniergolf auf dem Champions Course des PGA National gespielt und dabei festgestellt, dass der Platz aus gutem Grund mehrmals zum schwersten auf der PGA Tour gewählt wurde (Quelle). In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, was ich dabei gelernt habe und

  • warum Richtungskontrolle wichtiger ist als Distanz
  • warum unser Fokus immer auf der Handlung und nicht auf dem Score liegen sollte
  • warum „schönes“ Golf überbewertet wird

Um das Wichtigste vorwegzunehmen: Der Platz spielt sich für Amateure als Par 72. 2014 spielte ich 77, 77, 79.

2016 spielte ich 76, 75 und 80.

Warum erzähle ich Ihnen das, obwohl meine Ergebnisse nicht unbedingt das gelbe vom Ei waren? Ganz einfach:

  1. Wir sind nicht perfekt und wir möchten auch nicht so tun als ob. Wir haben selbst viel von Erfahrungsberichten Anderer gelernt – nicht nur beim Golf.
  2. Auf Plätzen wie diesen kann man eine Menge lernen! Hier sind 3 Dinge, die ich gelernt habe:

Richtungskontrolle ist deutlich wichtiger als Länge

Mark Broadie, Professor an der renommierten Columbia Business School und Mitentwickler der Strokes Gained-Methode, welche die PGA Tour mit wertvollen Statistiken versorgt, beschreibt in seinem Buch Every Shot Counts (Jeder Schlag zählt)dass Länge grundsätzlich wichtiger ist, als Genauigkeit. Laut Broadies Auswertung sind Spieler, die einen langen Ball schlagen, erfolgreicher als Spieler, die einen kürzeren Ball schlagen. Ein Eisen 9 aus dem Semirough ist immer noch genauer, als ein Eisen 6 vom Fairway. Das klingt plausibel. Dennoch würde ich das so nicht unterschreiben.

Broadies Auswertung geht von einer gewissen Grundgenauigkeit aus. Ein Eisen 9 mag aus dem Semirough genauer sein, als ein Eisen 6 vom Fairway. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Fehlschläge auch nur im Semirough landen und nicht in einem angrenzenden Garten und, dass das Semirough keine 15cm hoch ist.

Auch ich tat mir, wie (wahrscheinlich) die meisten Mitteleuropäer, schwer, mich an das dicke Bermudagras zu gewöhnen. Bälle, die im Semirough landeten, sanken entweder direkt zum Boden oder blieben oben auf dem Gras liegen. Beides war unheimlich schwer einzuschätzen, weshalb ich in manchen Fällen sogar das Eisen 6 vom Fairway, dem Eisen 9 aus dem Semirough bevorzugte.

PGA National ist zwar deutlich länger, als der deutsche Durchschnittsplatz, doch jeder Fairwaytreffer ist in Anbetracht der engen Drive Landezonen, der vielen Wasserhindernisse und dem dicken Bermudagras, Gold wert. Wer regelmäßig Fairways trifft, baut Selbstvertrauen auf und das ist auf einem Platz, wie PGA National, unheimlich wichtig.

Da ich 2014 schon einmal 3 Runden unter Turnierbedingungen spielte, wusste ich, was 2016 auf mich zu kam und bereitete mich dementsprechend vor. Ich schlug regelmäßig mehrere Bälle am engsten Loch meines Heimatplatzes ab – eine Trainingsform, die Luke Donald als Ugly Zone bezeichnet.

Die Ugly Zone ist das Gegenteil der Comfort Zone – der Komfortzone. Luke Donald hat einmal gesagt, er begebe sich während des Trainings so oft es geht in die Ugly Zone und arbeite an Dingen, die ihn fordern. Zwar möchten wir unsere Stärken weiter ausbauen, doch um ein rundum besserer Spieler zu werden, müssen wir die Dinge trainieren, die uns von Haus aus nicht unbedingt liegen. Das kann zunächst unangenehm sein, doch Sie werden erstaunt sein, wie viel unentdecktes Potential Sie freisetzen, wenn Sie es sich im Training bewusst schwer machen.

Wir verwenden gerne den Vergleich zum Fitnesstraining. Wer seit einiger Zeit regelmäßig 30 Liegestützen am Stück macht, der ist und bleibt zwar fit, kann jedoch keinen großartigen Kraftzuwachs erwarten. Der Körper passt sich der neuen Herausforderung an und das resultiert in dickere und kräftigere Muskeln. Ohne eine neue Herausforderung muss sich der Körper allerdings nicht anpassen und stagniert auf seinem bisherigen Leistungsniveau. Auch wenn die neue Herausforderung zunächst noch nicht mit der selben Leichtigkeit bewältigt werden kann, wie die alte, werden wir nach und nach besser. Wir nähern uns dem neuen Gewicht im Fitnessstudio, ebenso wie dem knackigen Ballkontakt mit dem Eisen 3 nach und nach an.

Einen Platz wie PGA National zu spielen, ist an sich eine Form des Ugly Zone Trainings. Schwere Plätze zu spielen, ist jedem ambitionierten Golfer nur zu empfehlen. Dazu müssen Sie auch nicht extra nach Florida fliegen. Spielen Sie als Frau doch einfach mal von den Herrenabschlägen oder als Mann von den Profiabschlägen. Suchen Sie die Herausforderung im Training.

Fokus auf die Handlung statt das Endergebnis

Viele Amateure machen den Fehler und messen ihr Spiel nur anhand einer Metrik: Dem Score. Das Problem dabei wurde mir in PGA National relativ schnell bewusst. Florida ist umgeben von Meer, der Wind weht daher ständig, was einem vor allem auf den Löchern 15, 16 und 17 – der Bear Trap – zum Verhängnis werden kann. Den Wind einmal falsch eingeschätzt und man steht schneller in einer Dropzone, als einem lieb ist. Adam Scott konnte 2016 ein Lied davon singen:

Äußerliche Faktoren, wie den Wind, können wir nicht kontrollieren. Treffen wir eine Entscheidung, hinter welcher wir zu 100% stehen und der Wind dreht plötzlich, so können wir uns keinen Vorwurf machen. Ein guter Schlag bleibt ein guter Schlag, auch wenn der Score diesen manchmal nicht reflektiert. Wer sein Spiel ausschließlich nach dem Endergebnis beurteilt, der verhält sich reaktiv und nicht aktiv und läuft Gefahr, eine emotionale Achterbahn zu fahren.

Um unser Potential ausschöpfen zu können, müssen wir uns auf die Dinge konzentrieren, die wir kontrollieren können. Was wir nicht kontrollieren können, ist das Endergebnis. Bälle verspringen ab und zu, Putts lippen aufgrund einer Unebenheit im Grün aus oder wir schätzen den Wind falsch ein. Was wir jedoch kontrollieren können, ist den Prozess, beziehungsweise die Handlung, die zum Endergebnis führt. Aus diesem Grund entstand die BelowPar Mental Scorekarte. Diese gibt uns eine zweite Metrik, durch welche wir unser Spiel und vor allem unsere mentale Leistung, beurteilen können. Stellen Sie sich, unabhängig davon ob Sie die Mental Scorekarte nutzen oder nicht, folgende 3 Fragen:

  1. Wie verhalte ich mich, wenn ich mein bestes Golf spiele?
  2. Auf was konzentriere ich mich, wenn ich mein bestes Golf spiele?
  3. Wie bereite ich mich auf Schläge vor, wenn ich mein bestes Golf spiele?

Nehmen Sie sich für die Beantwortung dieser Fragen einen Moment Zeit. Alle 3 Fragen geben Aufschluss über die Handlungen und Prozesse, die Sie in der Vergangenheit zum Erfolg geführt haben. Setzen Sie sich nun zum Ziel, sich während der Runde einzig und allein auf diese Handlungen und Prozesse zu konzentrieren. Bewerten Sie Ihr Spiel ausschließlich danach, wie gut Sie die Handlungen während der Runde umgesetzt haben und lassen Sie Ihren Score links liegen.

Ich musste mich immer wieder an dieses Prinzip erinnern und Gedanken an den eigenen Score aktiv ignorieren. Das ist gar nicht so einfach, wenn man gut unterwegs ist und sich langsam aber sicher der Bear Trap (Löcher 15, 16, 17) nähert.

Taktik: Effektivität macht den Unterschied

Folgender Abschnitt ist ein Ausschnitt aus unserem Buch Mein Ball Macht Was Ich Will, welcher für den Kontext des kommenden Abschnitts wichtig ist.

Erinnern Sie sich noch an den US Open Sieg von Martin Kaymer aus dem Jahre 2014? Wahrscheinlich tun Sie das. Erinnern Sie sich auch noch daran, wie Kaymer auch rund um das Grün gerne den Putter verwendete, wenn er ein Grün verfehlte? Vielleicht erinnern Sie sich auch daran. Eine Strategie ist so individuell wie der eigene Golfschwung oder um es mit den Worten von Heinz Schmidbauer auszudrücken: „Wie ein Daumenabdruck.“

Was Kaymer bei den US Open gemacht hat, ist vor allem bei den British Open eine beliebte Variante, um es sich auf den kurz gemähten und ondulierten Links-Golfplätzen so einfach wie möglich zu machen. Der Fall der US Open 2014 hat gezeigt, dass Kaymer wahrscheinlich nicht zu hundert Prozent von seinem kurzen Spiel überzeugt war, jedoch eine Möglichkeit fand, seine Stärken auszuspielen und unnötigem Risiko aus dem Weg zu gehen.

Beim Golf geht es darum, eine Runde mit so wenigen Schlägen wie möglich zu beenden. Von beeindruckendem, atemberaubendem und Lehrbuch ähnlichem Golf ist keine Rede. Sie fühlen sich mit einem Schlag nicht wohl? Wägen Sie verschiedene Alternativen ab und seien Sie kreativ. Ihr Spiel muss in erster Linie effektiv sein und das bedeutet, dass Sie sich mit Ihrem Spiel gut fühlen müssen. Wenn das bedeutet, dass Sie den Ball beispielsweise auch außerhalb des Grüns putten möchten, dann tun Sie das. Es gibt keine Bonuspunkte für besonders schönes oder riskantes Golf.

Ein Großteil meiner Vorbereitung habe ich, neben dem Üben von Drives unter Druck, damit verbracht, mich mit den effektivsten Annäherungsschlägen auseinander zu setzen. Grundsätzlich gilt:

  1. Je kleiner die Bewegung, desto einfacher ist es, diese zu kontrollieren.
  2. Je mehr Handgelenk wir rund ums Grün verwenden, desto steiler kommt der Schläger an den Ball. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn der Ball tief unten im Rough/Semirough liegt, denn wir verringern dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass der Schläger noch vor dem Ball im Gras „hängen bleibt“.
  3. Je weniger Handgelenk wir rund ums Grün verwenden, desto flacher kommt der Schläger an den Ball. Weniger Spin ist die Folge.

Anhand dieser 3 Grundsätze konnte ich schon an der Lage des Balles erkennen, welche Art von Chip/Pitch ich benötigte. Ich puttete vom Vorgrün, sofern möglich und orientierte mich an den Grundsätzen, um ums Grün herum, möglichst viele Schläge sparen zu können. Folgende Liste half mir bei der Entscheidungsfindung:

  • Ball tief im Rough/Semirough = Chip mit Handgelenk, Schlagfläche gegebenenfalls öffnen
  • Ball liegt oben auf dem Rough/Semirough = Chip ohne Handgelenk, Schlagfläche nicht öffnen, da sonst die Gefahr besteht, dass das Wedge unter dem Ball durchrutscht
  • Ball auf dem Vorgrün/Fairway auf eine kurzgesteckte Fahne = Chip/Pitch mit Handgelenk (Je steiler der Schläger an den Ball kommt, desto mehr Spin und desto schneller kommt der Ball zum Liegen)
  • Ball auf dem Vorgrün/Fairway auf keine kurzgesteckte Fahne = Chip/Pitch ohne Handgelenk

Dass man diese Schläge trainieren muss, versteht sich von selbst, jedoch beschleunigte ich den Trainingseffekt durch dieses System enorm.

Auf einen Blick

  • Fairways zu treffen ist gut fürs Selbstbewusstsein. Arbeiten Sie erst an der Länge, wenn Sie bereits eine gewisse Genauigkeit besitzen
  • Fokussieren Sie sich auf die Handlung, die zum gewünschten Endergebnis führt und nicht direkt auf das Endergebnis
  • Es gibt keine Haltungsnoten beim Golf. Seien Sie kreativ und nutzen Sie Ihre effektivsten Schläge rund ums Grün

Wenn Ihnen dieser Beitrag gefallen hat, dann können wir Ihnen unsere mentale Werkzeugkiste nur ans Herz legen. Das sind die mentalen Techniken, die uns zu Handicap +1,8 und 3,4 (Stand August 2017) verholfen haben. In unserer Werkzeugkiste beschäftigen wir uns mit dem Umgang mit Selbstzweifeln und Nervosität, dem Abbau von Stress und erklären Ihnen, wie Sie in Drucksituationen zukünftig cool bleiben.

 

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