Der 10 Sekunden-Selbstvertrauens-Boost

Haben Sie vergangenen Sonntag Abend Fußball geschaut? Jogi Löw hat vor dem Länderspiel gegen Peru verraten, dass ihm das Ergebnis des Spiels nicht ganz so wichtig ist, wie das Engagement der Mannschaft. Dass die deutsche Nationalmannschaft gegen Peru gewinnen sollte, stand eigentlich schon vor Anpfiff fest, doch wie sich Jogis Jungs in Sinsheim präsentierten, schien dem Bundestrainer für den „Neuanfang“ wichtiger, als das tatsächliche Ergebnis.

Engagement kann sich beim Fußball auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen ausdrücken: Wie ein Spieler in den Zweikampf geht, wie ein Spieler zum Kopfball hochspringt, wie er sich ohne Ball verhält und wie er nach einem Ballverlust nachsetzt — all das fällt in die Kategorie des Engagements und all das zeichnet sich, wie bei so vielen Sportarten, durch körperlichen Einsatz aus.

Die Frage, ob uns Engagement auch auf dem Golfplatz hilft, würden die meisten von Ihnen wahrscheinlich mit einem deutlichen ja beantworten. Doch was ist Engagement und wie profitieren wir als Golfer davon?

Dass es für uns beim Golf vor allem um Vertrauen geht, haben wir bereits in unserem letzten Artikel erwähnt. Engagement beim Golf ist für uns daher eher mentaler, statt körperlicher Natur. In unserem Artikel der Woche möchten wir auf das Thema (Selbst-) Vertrauen noch einmal eingehen und Ihnen unseren 10 Sekunden-Selbstvertrauens-Schub vorstellen.

Der Name entstand, weil wir dafür mit ein bisschen Übung wirklich nur ein paar wenige Sekunden benötigen.
Das Beste: Wir können alle 3 Schritte direkt am, beziehungsweise hinter dem Ball ausführen. So geht’s:

Schritt #1:

Wenn Sie Ihre Tasche neben dem Ball abstellen, nehmen Sie sich ein kurzen Moment Zeit und überlegen sich, wo Sie Ihren Ball landen lassen möchten. Das gilt übrigens nicht nur für Chips, Pitches oder Bunkerschläge. Auch Ihre Drives, Fairwayhölzer und Ihre langen Eisen werden von einem spezifischen Landepunkt profitieren.

Warum?

Denken Sie für einen Moment an die Dinge, die Sie während einer Runde stören — vor allem, wenn Sie den Ball ansprechen. Liegen wir richtig, wenn wir annehmen, dass

– Mitspieler, die eine Packung Nüsse aus der Tasche nehmen und dabei ordentlich rascheln

– Greenkeeper, die auf einer nebenanliegenden Bahn lautstark den Rasen mähen und

– Gedanken an die Stelle, an der Ihr Ball auf gar keinen Fall landen soll

in diese Kategorie fallen?

Unser Fokus entscheidet darüber, ob uns diese Störfaktoren aus dem Konzept und unseren Ball aus dem Spiel bringen oder, ob wir auch dann das Fairway finden, wenn ein Mitspieler gerade den Reißverschluss seines Bags öffnet.

Doch um uns fokussieren/konzentrieren zu können, brauchen wir zunächst etwas, auf das wir uns fokussieren können. Hier kommt unser Landepunkt ins Spiel. (Wenn es sich bei Ihrem kommenden Schlag um einen Putt handelt, dann tauschen Sie den Landepunkt gegen das Loch ein).

Wenn wir uns auf einen kleinen Punkt konzentrieren, ist kein Platz mehr für laute Greenkeeper, raschelnde Mitspieler oder unerwünschte Gedanken. Wenn wir ja zu einem bestimmten Punkt sagen, sagen wir nicht nur nein zu allen möglichen Störfaktoren; wir sind gleichzeitig in der Lage, unsere Vorbereitung — und vor allem unseren Probeschwung — darauf auszulegen.

Der Probeschwung hat für uns persönlich nur ein Ziel….zwei um genau zu sein: Erstens wollen wir mit dem Probeschwung die Bewegung, mit der wir den kommenden Schlag ausführen möchten, imitieren und zweitens wollen wir damit den Boden testen.

Letzteres ist meist nur im (Semi-) Rough, wo die Richtung/Lage der Grashalme einen gewaltigen Unterschied auf den Treffmoment haben kann, von Bedeutung. Ersteres kann und sollte unserer Meinung nach allerdings in allen Lagen angewendet werden. Ein Probeschwung gibt uns einen wichtigen Impuls für den kommenden Schlag und zudem die Chance — gerade im kurzen Spiel — folgende Frage zu stellen:

„Wäre mein Ball auf meinem Landepunkt gelandet, wenn ich ihn mit dieser Bewegung (Probeschwung) gespielt hätte?“
Wer einen 15m Pitch vor sich hat, sollte wahrscheinlich keinen vollen Probeschwung machen, sondern sich stattdessen mit einem hüfthohen Auf- und Durchschwung vertraut machen. Je weniger wir den Erfolg unseres Schlages dem Zufall überlassen, desto besser spielen wir. Sobald der Ball die Schlagfläche verlässt, können wir am Zufall nichts mehr ändern, weshalb es Sinn macht, dass wir uns, auch während der nächsten 2 Schritte des 10 Sekunden-Selbstvertrauensschubs, auf die Zeit vor dem eigentlichen Schlag zu konzentrieren.

Schritt #2:

Sobald Sie Ihren Landepunkt gefunden und die dafür richtige Schlägerwahl getroffen haben, nehmen Sie sich hinter dem Ball einen Moment Zeit, um den Kopf anzuheben, den Bauch einzuziehen und die Brust rauszustrecken.

Wenn Sie die BMW Championship am Wochenende verfolgt haben, wird Ihnen sicher aufgefallen sein, dass Profis nicht viel von einer sofatauglichen Körpersprache halten. Warum das so ist, möchten wir Ihnen mit folgendem Beispiel verdeutlichen:

Denken Sie für einen Moment an Max. Max ist unsere BelowPar-Beispielperson, 34 Jahre alt und vor 3 Monaten entlassen worden. Max fühlt sich seit seiner Entlassung nicht gut und auch die 4 Vorstellungsgespräche, die er seitdem hatte, konnten seine Stimmung nicht wirklich anheben. Wenn wir Sie nun bitten würden, Max zu charakterisieren, dann würde Ihnen wahrscheinlich nicht viel einfallen — abgesehen von Max Körpersprache und Stimmlage.

Wir alle kennen Momente, in denen es uns ähnlich geht, wie Max und wir müssen nicht entlassen werden, um uns deprimiert zu fühlen. Deshalb wissen wir auch, dass Maxs Körpersprache nicht der eines Tourpros ähnelt und sich mit hoher Wahrscheinlichkeit durch einen gesenkten Kopf und hängende Schultern auszeichnet. Maxs Körpersprache spiegelt seinen emotionalen Zustand wieder.

Will Max seine deprimierende Situation durch einen ordentlichen Schub Selbstvertrauen zum Positiven verändern, sollte er das tun, was wir vor einem wichtigen Schlag tun sollten: Den Kopf anheben, die Schultern zurück- und den Bauch einziehen.

In der Psychologie gibt es den schönen Satz der Körper führt den Geist, der Geist führt den Körper. Das Einnehmen einer bestimmten Körperhaltung führt dazu, dass wir die Emotionen fühlen, die mit der jeweiligen Körperhaltung einhergehen (Quelle). Also: Kopf hoch hinter dem Ball!

Schritt #3:

Dass Max in der eben beschriebenen Situation eher etwas geknickt durch die Welt geht, liegt auf der Hand. Dass Maxs Stimmlage ebenfalls einen Hinweis auf seinen emotionalen Zustand gibt, wird oft übersehen.

Denken Sie kurz an eine besonders charismatische und selbstbewusste Person in Ihrem Leben. Wie spricht diese Person? Wahrscheinlich mit etwas Dampf in der Stimme, haben wir Recht?

Wenn wir ein Gespräch mit selbstbewusster Stimme führen, werden wir von unseren Gesprächspartnern anders wahrgenommen. Wir merken, dass wir von unserem Gegenüber respektiert werden, was unserem Selbstvertrauen einen weiteren Schub gibt. Um diesen Kreislauf zu nutzen, müssen wir allerdings kein Gespräch führen — zumindest nicht mit einer anderen Person.

Unsere Selbstgespräche haben einen gewaltigen Einfluss auf unseren emotionalen Zustand. Umso wichtiger finden wir es daher, dass wir uns unmittelbar vor dem Schlag, einen positiven Impuls geben. Sagen Sie sich, was Sie am Ball tun werden. In unserem Fall klingt das wie folgt:

„Ich spiele meinen Ball mit der perfekten Geschwindigkeit und der perfekten Höhe auf meinen Landepunkt — den bräunlichen Punkt neben dem gelben Blatt auf dem Grün und lasse meinen Ball von dort zum Loch rollen.“

Dabei schlagen wir 2 Fliegen mit einer Klappe: Zum einen verbinden wir uns noch einmal mit unserem Landepunkt und damit mit unserem Ziel und zum anderen nutzen wir den positiven Effekt, den unsere Stimme auf unser Selbstvertrauen hat. Die Voraussetzung dafür: Wir dürfen unser Vorhaben nicht einfach so vor uns hinmurmeln.

Wenn Sie diese 3 Schritte beachten, werden Sie nach einiger Zeit merken, dass nicht nur ihr Score von Ihrem Selbstvertrauen profitiert: Die Art und Weise, wie Sie sich während einer wichtigen Runde fühlen, wird sich ändern. Sie werden mehr Spaß am Spiel haben, Hindernisse und raschelnde Mitspieler besser ausblenden und den eigenen, negativen Gedanken weniger Beachtung schenken. Probieren Sie’s aus!

Der 10 Sekunden-Selbstvertrauens-Schub — Zusammenfassung:

  • Schritt #1: Finden Sie Ihren Landepunkt, auf den Sie sich konzentrieren — so fällt es Ihnen deutlich leichter, Störungen auszublenden
  • Schritt #2: Brust raus, Kopf hoch
  • Schritt #3: Sagen Sie sich mit selbstbewusster Stimme, was Sie am Ball tun werden

Übrigens: 

Nach 14 Jahren Turniergolf ist uns aufgefallen, dass in all dem Durcheinander von mentalen Ratschlägen lediglich 4 Dinge zählen: Ihr Verhalten, Ihre Einstellung, Ihr Fokus und Ihr Glauben, beziehungsweise Ihre Überzeugung. Meistern Sie diese, sind Ihrem Golfspiel keine Grenzen mehr gesetzt. 

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