Interview mit Golf- und Mental Coach Andrea Bandorfer

Mental Coach

Wir haben vielleicht nicht alle Antworten, doch wir haben definitiv die ein oder andere Frage. In diesem Fall gehen unsere Fragen an Andrea Bandorfer. Als Golf- und Mental Coach kennt Andrea den Golfsport aus mehreren Blickwinkeln und ist daher der ideale Gesprächspartner so kurz vor der Saison.

Wir sind große Fans von Coaches und der Meinung, dass man kein Profi sein muss, um sich von einem Coach helfen zu lassen. Was tun Sie, wenn Sie zum Abendessen Reis kochen möchten? Wir sagen Ihnen, was Sie nicht tun. Sie gehen nicht raus in den Garten, fangen an zu graben und bauen den Reis selbst an. Sie holen sich Hilfe aus dem Supermarkt. Wer sich auch auf dem Golfplatz helfen lässt, sieht den Erfolg deutlich schneller und trainiert gezielter. Aus diesem Grund haben wir Andrea nach den schönsten Erfolgsgeschichten ihrer Schüler, effektiven Methoden zur Analyse des eigenen Spiels und den größten Unterschieden zwischen Profis und Amateuren gefragt.

BelowPar: Bei kaum einer anderen Sportart ist die spielerische Leistung so stark von der mentalen Leistung abhängig, wie beim Golf. Ist es das, was Dich am Golf fasziniert und zu Deiner Doppeltätigkeit, als Golf und gleichzeitig als Mental Coach geführt hat?

Andrea Bandorfer: Als ich mit Golfspielen anfing, fiel mir das „Erlernen“ der Technik relativ leicht und ich bin schnell voran gekommen. Ich war sicher nicht perfekt in der Bewegung, aber ich habe den Ball gut getroffen und gute Scores gespielt. Ich war allerdings der klassische „Trainingsweltmeister“.

Privat hat alles wunderbar geklappt und im Turnier sind sehr oft die Nerven mit mir durchgegangen. So hat mich meine Neugierde schnell zum Mentaltraining/Coaching geführt und ich habe die Ausbildung gemacht. In der Arbeit mit Spielern ist mir aber auch schnell klargeworden: Die Übergänge zwischen der technischen und der mentalen Seite sind fließend. Themen wie Coursemanagement/Taktik, Ernährung — all das gehört zusammen. So habe ich mich entschieden, auch noch die Ausbildung zum PGA Pro zu machen, um Spieler sozusagen allumfassend beraten zu können.

BelowPar: Die URL Deiner Website lautet mentalepower.com. Wir dachten früher oft, dass Profis, beziehungsweise gute Spieler im Allgemeinen, alles jederzeit im Griff haben und mentale Power fast schon eine Art Superkraft wäre. Wir hatten damals sehr wahrscheinlich eine falsche Vorstellung. Gerade durch Freddys Zeit in den USA haben wir festgestellt, dass auch Profis genauso oft mit Nervosität zu tun haben, wie Amateure. Der Schlüssel liegt meist im Umgang damit. Wie definierst Du mentale Power und wie stellen wir fest, dass unsere mentale Power zunimmt?

Andrea: Meiner Meinung nach ist mentale Power der Überbegriff für eine Vielzahl von Skills, die jeder guter Spieler beherrschen sollte. Dazu gehören Fähigkeiten, wie Zielsetzung, Vorstellungskraft, Selbstvertrauen, Fokus, Atemkontrolle, Angst-Management und Körpersprache. Wenn ich mein Spiel kenne, wenn ich weiß, welche Bereiche mir Probleme machen, dann weiß ich auch was ich trainieren sollte – man kann sich unser Gehirn wie einen Muskel vorstellen.

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Fortschritt kann sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar machen, je nachdem was meine Themen sind. Sicher zeigt sich Fortschritt durch bessere Scores, aber auch wenn ich vor einem Turnier gut schlafen kann, wenn ich mehr Spaß auf einer Turnierrunde habe oder besser mit schlechten Schlägen/Runden umgehen kann.

BelowPar: Was unterscheidet Deiner Meinung nach einen guten von einem sehr guten Spieler und einen sehr guten Spieler von einem Profi — spielerisch wie mental?

Andrea: Ich glaube Profis haben oft einen klareren Plan, sowohl für Ihr Training als auch für ihr Spiel auf dem Platz. Sie gehen realistischer mit ihren Stärken und Schwächen um. Spielerisch betrachtet sind sie durch mehr Routine viel eher in der Lage, ihren Schwung automatisiert ablaufen zu lassen. Sie haben den Fokus weniger auf der Technik beim Spielen. Sicher geraten auch sie mitunter in eine sogenannte Closed Loop Schleife, aber sicher deutlich weniger oft als gute Amateure. Je besser ein Spieler – desto besser auch seine Taktik, sein Spielplan. Je besser, desto klarer die Idee von dem Schlag, den sie machen wollen. Ich denke auch, dass sich Profis weniger davor scheuen, Hilfe von einem Mentalcoach anzunehmen.

BelowPar: Das macht Sinn! Du schreibst auf Deiner Website, dass Du keine Wunder versprichst. Wir sind jetzt einfach mal so frei und behaupten das Gegenteil. Das hat folgenden Grund: Immer wenn wir das Gefühl hatten, dass wir stagnieren, hat uns ein Mental Coach weitergeholfen und die Blockade gelöst, die wir auf dem Golfplatz nicht auf die herkömmliche Art lösen konnten – durch eine erhöhte Anzahl an Trainerstunden beispielsweise.

Vielen anderen geht es, unserer Erfahrung nach, ähnlich. Eigentlich ist es doch sehr schade, dass wir erst auf die Blockade warten, um etwas zu verändern. Andererseits wissen wir ohne die Blockade oft nicht, dass wir etwas verändern müssen. Da nicht jede Blockade allzu offensichtlich ist, raten wir unseren Lesern dazu, das eigene Spiel zu analysieren und die eigene Leistung zu messen. Wie stehst Du zum Thema und zu welchen Analyse Methoden rätst Du Deinen Schülern?

Andrea: Ich glaube, die beste Analyse findet immer auf dem Platz statt. Am besten während eines Turniers oder dann, wenn ein gewisser Druck herrscht — wenn es darauf ankommt, die eigene Leistung abzurufen. Dann kann ich feststellen, ob und wo es gelingt und wo nicht. Ich empfehle meinen Schülern die klassische +-o Methode:

Ein „+“ gibt es für einen guten Schlag, eine „o“ für einen passablen und ein „–“ gibt es für einen „Strafschlag“. Das „–“ wird in technische und taktische Fehler eingeteilt. Wenn man nun nach einer Runde den Score der einzelnen Löcher zueinander in Relation setzt, werden meist schon gewisse Muster sichtbar. Der Umgang mit schlechten Schlägen zum Beispiel.

Wie schnell stecke ich etwas weg? Spiele ich die ersten Löcher immer schlecht? Wie schnell komme ich in ein Turnier? Am liebsten begleite ich die Spieler auf ihren Runden und versuche ihre Gedanken zu lesen. Oft notiere ich mir einige Dinge und führe die +-0 Methode für den Spieler durch. Im anschließenden Gespräch kristallisiert sich schnell das „dickste“ Thema heraus. Bei der anschließenden Arbeit geht es dann oft noch mehr in die Tiefe.

BelowPar: Wir glauben, dass vielen Anfängern gar nicht bewusst ist, wie positiv sich Mentaltraining auf das eigene Spiel von Anfang an auswirken kann. Möchtest Du eine Erfolgsgeschichte von einem Deiner Schüler teilen, die zeigt, wie hilfreich Mentaltraining sein kann?

Andrea: Ich denke auch, dass man ruhig früh damit anfangen sollte. Einer meiner Schüler — sehr ehrgeizig — hat sich von Anfang an sehr unter Druck gesetzt und war in Turnieren dementsprechend verspannt und hat nicht das Golf gespielt, das er eigentlich schon konnte. Er hat sehr oft die ersten Abschläge „verhauen“, Strafschläge kassiert und ist dann in eine Abwärtsspirale geraten.

Wir haben angefangen an der Wahrnehmung seiner Körperspannung zu arbeiten. So ist ihm der Zusammenhang zwischen mentaler und körperlicher Anspannung bewusster geworden. Gerade beim Golfen sind hochgezogene, verspannte Schultern ein wirksames Gift gegen gute Schläge. Wir haben Atemtechniken in seine Pre Shot Routine eingebaut. Er hat gelernt, seine Anspannung als Konzentration wahrzunehmen und sich zwischen den Schlägen zu entspannen. Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten.

BelowPar: Sehr cool! Welche Fehler beobachtest Du denn des Öfteren, wenn Du Amateuren auf dem Platz oder auf der Range zuschaust?

Andrea: Ich glaube, die meisten haben das Spiel gar nicht verstanden. Gutes Golf bedeutet: So wenig Schläge als möglich machen. Gutes Golf bedeutet nicht, einen Eimer Bälle mit dem Eisen 7 irgendwo auf die Range zu schlagen, einen „schönen“ Schwung und den längsten Drive zu haben.

BelowPar: Das sprechen wir auf BelowPar auch häufig an. Sind sich die Meisten dieser Fehler bewusst, wenn sie mit Dir zusammenarbeiten? Oder kommen viele im Glauben zu Dir, dass ihr „Fehler“ ein ganz anderer ist?

Andrea: Die meisten wissen recht gut, woran es hapert. Allerdings sind ihnen die Gründe oft nicht bewusst oder sie wollen sie „noch“ nicht sehen.

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BelowPar: Hast Du eine Lieblings-Trainingshilfe oder eine Lieblings-App?

Andrea: Um sein Spiel besser kennenzulernen ist die App bebrassie meiner Meinung nach unschlagbar. Es braucht nicht viel Zeit, um die Runden nachzuarbeiten und man bekommt ein breites Band an Informationen über das eigene Spiel. Strokes Gained und die Schlaglängen zum Beispiel. Mit diesem Wissen kann ich mein Spiel besser planen. Auf mentaler Ebene arbeite ich gerne mit der „Ampel“ für „Golfen im grünen Bereich“. Ich nutze auch etwas ähnliches wie ihr, die FOKUS-Scorekarte, um sich für die Runde besser auf bestimmte Themen zu fokussieren.

BelowPar: Haben wir Dich irgendetwas nicht gefragt, das Du noch gerne loswerden möchtest? Hast Du eine abschließende Message?

Andrea: Ich glaube, dass ein Spieler neben einer ordentlichen Golftechnik, vor allem Selbstvertrauen auf dem Platz braucht. Es braucht Erfolge, um zu wachsen. Das ist eine Kette: Mehr Erfolg führt zu mehr Selbstvertrauen. Unsere Gedanken entstehen im Kopf als Reaktion auf alles, was wir wahrnehmen und vor allem, wie wir unsere Umwelt bewerten – erst dadurch entwickeln sich Gefühle, die dann unser Handeln beeinflussen.

Wenn es meinen Spielern gelingt, ihre Gedanken in günstigere Richtungen zu lenken und auch die kleinen Erfolge wahrzunehmen, haben sie positivere Gefühle und sind eher in der Lage, ihre Leistung abzurufen. Einzelne Schläge werden auf diese Weise immer besser. So kann Schlag für Schlag Selbstvertrauen entstehen.

BelowPar: Andrea, herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast! Wo können wir mehr über Dich und Dein Coaching-Angebot erfahren?

Andrea: Gerne! Meine Website ist www.mentalepower.com. Zudem findet man mich auf Facebook.