Macht Ihr Ball was Sie wollen? Die Geschichte hinter dem Buch

mentaltraining golf

Jeder Golfer beginnt irgendwann einmal aus Spaß und Neugier mit den Golf. Aus Spaß und Neugier wird nach einiger Zeit Leidenschaft und Ehrgeiz, das Handicap wird wichtiger, Turniere werden interessant. Wir streben nach Wachstum und Veränderung. Trainerstunden zu nehmen scheint eine logische Konsequenz. Was vielen Amateuren jedoch schwer fällt, ist die mentale Seite des Spiels greifbar zu machen. Ein Slice kann mit dem Trainer durch Übung korrigiert werden, doch wie sieht das bei Nervosität und Selbstzweifeln aus? Wir möchten in diesem Beitrag auf die Hintergründe eingehen, die zu unserem neuen Buch Mein Ball macht was ich will geführt haben.

Unser Kopf ist die Steuerzentrale unseres Körpers. Nichts läuft ohne unser Gehirn, weshalb es für uns unheimlich viel Sinn macht, sich ausführlich und über einen langen Zeitraum damit zu beschäftigen. Wer weiß, wie das eigene Gehirn tickt, wer weiß, warum er tut, was er tut, der ist in der Lage, Kontrolle über sich und sein Verhalten zu erlangen und seine Leistung langfristig positiv zu beeinflussen – nicht nur auf dem Golfplatz.

Sich in Psychologie weiterzubilden ist auf lange Sicht wahrscheinlich genauso wertvoll, wie Sport und eine gesunde Ernährung. Oberflächliche Ratschläge zum Thema gibt es viele und die meisten ranken sich um die Themen positives Denken und Visualisierung. Das ist durchaus berechtigt, doch für diejenigen, die sich nicht tiefer mit dem Thema auseinandersetzen, mag das Ganze belanglos und zu einfach klingen.

Die positive Psychologie ist ein vergleichsweise neuer wissenschaftlicher Zweig, der erst Mitte der Neunziger Jahre entstand, als einige Wissenschaftler begannen, anders zu ticken. Seit Sigmund Freud hatte man sich über 100 Jahre lang mit psychischen Problemen und der Frage, was Menschen unglücklich macht, beschäftigt. Für den ein oder anderen mag das interessant sein, doch wertvoll werden die Informationen erst dann, wenn wir daraus einen Mehrwert ziehen können. Der kalifornische Psychologie-Professor Martin Seligman wird heute als der Vater und Begründer der positiven Psychologie bezeichnet, denn Seligman richtete seine Aufmerksamkeit auf die Frage, was Menschen glücklich macht.

Das ist unserer Meinung nach ein weitaus vernünftigerer Ansatz, denn wir haben deutlich mehr davon, wenn wir die Taktiken, Routinen und Gewohnheiten glücklicher und erfolgreicher Menschen nachahmen. Seligman war es auch, der in einer Studie herausfand, dass optimistische Versicherungsvertreter im ersten Jahr 8% mehr Umsatz machten, als ihre pessimistischen Kollegen. Im 2. Jahr sogar ganze 31%. Das Schöne: Optimismus kann man lernen und wie einen Muskel trainieren.

Optimismus ist einer der Kernkomponenten, um die sich Professor Richard Wisemans Buch The Luck Factor – Der Glücksfaktor dreht.Luck Factor Professor Wiseman hat für dieses Buch über mehrere Jahre, unzählige Experimente durchgeführt, um herauszufinden, was hinter dem Begriff „Glück“ eigentlich steckt und was Menschen aus wissenschaftlicher Sicht glücklich macht.Wiseman nennt 4 Kernkomponenten, die für Glück und Glücksempfinden verantwortlich sind. Einer dieser, was er die 4 Prinzipien des Glücks nennt, ist – Sie ahnen es – Optimismus und eine positive Erwartungshaltung. Auf uns hatte dieses Buch einen unheimlichen Einfluss und ist mittlerweile unser absolutes Lieblingsbuch.

Patrick hat das Buch 2 mal gelesen, Freddy 3 mal und 3 mal verschenkt, denn hinter all den Experimenten, Studien und Fragebögen innerhalb des Buches, steckt eine simple Botschaft: Professor Richard Wiseman hat sich über Jahre hinweg mit dem Thema beschäftigt, das oft in Verbindung mit Plattitüden, wie „Bayern-Dusel“ oder dem „Glück des Tüchtigen“ steht und dabei herausgefunden, dass Glück alles andere als purer Zufall ist. Glück ist eine Entscheidung, die alle glücklichen Menschen bewusst getroffen haben. Wer das auch möchte, verhält sich dementsprechend. Glückliche Menschen haben selbstverständlich auch ab und zu Unglück, doch Unglück wird in den Augen glücklicher Menschen als etwas Kurzfristiges wahrgenommen, das schon bald wieder Platz für die Schönen Dinge des Lebens macht.

Menschen, denen generell viel Unglück widerfährt, haben diese Auffassung nicht. In den Augen unglücklicher Menschen gibt es recht wenig, das sie selbst tun können, um ihre Realität nach ihren Vorstellungen zu gestalten. Ärger oder Frust sind einfacher als Beharrlichkeit.

Energie folgt dem Fokus. Wer sich konstant auf das konzentriert, was ihm fehlt, der wird nur selten zufrieden sein. Eine Wechselwirkung zwischen Gedanken und Verhalten tritt ein. Wie sich dieses Zusammenspiel auswirkt, können wir beeinflussen. „Schon wieder ein 3-Putt“, „warum denn ausgerechnet jetzt ins Aus“, „warum muss ich immer an der 18 das Fairway verfehlen“ – diese oder ähnliche Sätze hat jeder schon einmal von sich gegeben.

Wenn wir von negativen Gedanken beeinflusst werden, wird unser präfrontaler Kortex und damit der Teil des Gehirns, der für die Steuerung unserer Handlungen und der Regulation von Emotionen zuständig ist, unterversorgt. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine falsche Entscheidung treffen, steigt dramatisch.

Sean Foley, Trainer von Weltklasse Profis wie Justin Rose oder Lee Westwood und ehemaliger Trainer von Tiger Woods, hat 2013 im unten eingeblendeten Interview erklärt, er unterrichte keinen Schüler, der negativ gestimmt, verärgert oder gestresst zum Training erscheint. Zu gering ist die Aufnahmefähigkeit des Schülers. Wer sich dafür interessiert, findet die eben umschriebene Passage ab Minute 23:

 

Barbara Fredrickson ist Wissenschaftlerin an der Duke University im US-Bundesstaat North Carolina und Begründerin des Broaden-and-Build Effektes. Dieser besteht aus zwei Teilen und besagt zum einen, dass eine positive Grundeinstellung das Bewusstsein erweitert und den Mensch dadurch kreativer und lösungsorientierter macht. Genau diesen Effekt möchte Foley für seine Schüler nutzen.

Um dieses Thema ranken sich jedoch eine Menge Mythen. Positiv zu denken bedeutet nicht, eine rosa-rote Brille aufzusetzen und so zu tun, als wäre alles immer super. Eines der wertvollsten positiven Gefühle ist Dankbarkeit. Warum? Weil Ärger und Angst, beziehungsweise Zweifel, die beiden Gefühlszustände sind, die unseren Score am häufigsten über den Haufen werfen. Dankbarkeit ist das Gegenmittel.

Niemand ist in der Lage, dankbar und gleichzeitig ängstlich, gestresst, verärgert oder voller Zweifel zu sein. Mentales Golf beginnt mit dem Verständnis der eigenen Psyche. Wer dieses Konzept verstanden hat, der kann selbst entscheiden, was für ihn/sie selbst Sinn macht und weiß sofort, dass eine einfache Frage wie „für was bin ich heute dankbar?“ oder „was hat mich heute gefreut?“ nach jeder Golfrunde fast schon magische Auswirkungen hat. Fragen wie diese stärken unsere Überzeugungen, ändern unseren Fokus und lassen uns Golf aus einer anderen Perspektive betrachten. Fragen wie diese sind Teil des starken mentalen Grundgerüsts, welches wir im Buch immer wieder beschreiben.

In Mein Ball macht was ich will ging es uns vor allem darum, die Strategien und Methoden zu beschreiben, die wir über die Jahre hinweg gelernt und als hilfreich identifiziert haben und diese dann auf die Probe zu stellen. Was sagt die Wissenschaft? Was sagen erfolgreiche Profisportler und Trainer und welche Artikel, Vorträge, Bücher, Interviews und Videos gibt es zum Thema? Wie vielen anderen Spielern, wurde auch uns das Visualisieren schon früh nahegelegt. Jason Day verriet in einem Interview, dass er mittlerweile auch im Training keinen Schlag mehr spielt, den er nicht zuvor visualisiert hat. Wie Day visualisiert, wird in folgendem Video recht deutlich:

 

Der wahrscheinlich berühmteste Sportpsychologe der Vereinigten Staaten, Bob Rotella, beschreibt in seinem Buch „How Champions Think – Wie Sieger denken“, dass Jack Nicklaus mehr Wert auf seine Vorbereitung und das Visualisieren legte, als auf das eigentliche Resultat des Schlages. Basketballlegende Michael Jordan hat einmal gemeint, dass man Dinge erwarten muss, bevor man sie umsetzen kann. Bob Rotella ergänzt: „Es macht für einen Basketballspieler Sinn, seinen Kopf mit der Tatsache anzufreunden, dass er den Wurf versenken kann.“ Profis visualisieren, warum also auch nicht wir? Doch warum visualisieren Profis und macht das für den Amateur überhaupt Sinn?

Die Psychologin Regina Pally beschreibt, dass Visualisierung laut Neurowissenschaft aus folgenden Gründen Sinn macht. Bevor Dinge passieren, hat unser Unterbewusstsein bereits eine Vorahnung, was der wahrscheinlichste Ausgang der Situation sein wird und leitet daraufhin die notwendigen Wahrnehmungen und Gefühle sowie das notwendige Verhalten in die Wege, welche am besten zum vorhergesagten Ausgang passen. In anderen Worten heißt das: Wir lernen von der Vergangenheit und kreieren die Zukunft, die wir erwarten (Quelle).

Eine super Methode, um die Erwartungshaltung anzuheben und diesen Kreislauf positiv zu beeinflussen, ist das Visualisieren. Wissenschaftler am olympischen Trainingszentrum in Colorado Springs, Colorado, haben Visualisierung auf den Prüfstand gestellt und College Golfer eine Woche lang täglich Putten üben lassen.

Vor und nach dem Experiment wurden die Spieler einer Genauigkeitsmessung mit dem SAM PuttLab, dem zum heutigen Stand genauesten Messgerät von Puttbewegungen,  unterzogen. Die Gruppe, die eine Woche lang während des Trainings visualisierte, hatte deutlich bessere Messergebnisse, als die beiden Kontrollgruppen und das nicht zu knapp: In nur einer Woche stieg ihre  Genauigkeit um ganze 30%!

Die Frage, ob das für den Amateur überhaupt Sinn macht, lautet daher ganz klar: Ja klar. Erfolg ist subjektiv. Eine persönliche Bestleistung für einen Spieler mit Handicap 9 mag für einen jungen Profi keine Glanzleistung sein, doch jeder muss irgendwo anfangen. Wer sich das individuell beste Resultat vorstellt, der setzt die Mechanismen im Gehirn in Gang, die die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Resultat auch eintritt, deutlich erhöhen. Dass das nicht über Nacht passiert, sollte jedem klar sein, jedoch summieren sich Kleinigkeiten recht schnell.

Visualisierung ist nur eine der vielen Methoden, die wir Ihnen in Mein Ball macht was ich will vorstellen. Im Buch geht es darum, Ihnen anwendbare Methoden und Techniken an die Hand zu geben, die Ihr herkömmliches Training unterstützen, denn wer sein individuelles Potential ausschöpfen möchte, der kommt nicht um die mentale Seite des Spiels herum. Sie lernen unter anderem:

  • Wie Sie sich so verhalten, dass Sie den Erfolg fast schon magisch anziehen
  • Wie Sie mit Niederlagen umgehen und diese zu Ihrem Vorteil nutzen
  • Wie Sie in Drucksituationen ruhig bleiben
  • Wie Sie Ihre mentale Leistung messbar machen können
  • Wie Sie mit Selbstzweifeln, Angst und störenden Gedanken umgehen
  • Wie Sie negative Überzeugungen und einschränkende Glaubenssätze auflösen können
  • Wie Sie Ihr Unterbewusstsein auf Erfolg programmieren
  • Wie Sie Ihren Fokus erhöhen und Störungen ausblenden

Wer mehr zum Thema mentales Golf erfahren möchten – genauer gesagt zu den mentalen Techniken, die uns zu Handicap +1,8 und 3,4 (Stand August 2017) verholfen haben, für den ist unsere mentale Werkzeugkiste genau das Richtige für Sie.