Interview mit PGA Professional Alexander Stohr

PGA Professional

Wir sind vor kurzem auf PGA Professional Alexander Stohr aufmerksam geworden und dachten uns: Die meisten Amateure kennen die Trainerstunde nur aus der Sicht des Schülers. Doch wie ist es, auf der Seite des Trainers zu stehen? Wie eine erfolgreiche Trainerstunde aus Sicht des Schülers aussieht, wissen wir, doch was macht eine Trainerstunde für den Trainer erfolgreich? Wäre es nicht interessant, die Gegenseite kennen zu lernen? Absolut!

Wer die Gegenseite kennt, erleichtert sich die Trainerwahl enorm und bewertet künftige Trainerstunden nach anderen Kriterien. Aus diesem Grund möchten wir uns schon jetzt bei Alex Stohr für das Interview bedanken.

Alex begann seine Laufbahn als PGA Professional im heimischen Allgäu und unterrichtet mittlerweile 20 Autominuten vom schweizerischen Zürich entfernt. Dass er seinen Schülern nicht nur eine solide Technik beibringt, sondern sich intensiv mit Zielsetzung, mentaler Einstellung und Trainingstheorie beschäftigt, war ein Grund mehr, ihn nach einem Interview zu fragen.

Freddy hat mit Alex gesprochen und ihn nach seinen besten Tipps für Amateure, seinen schwierigsten Schülern, sowie effektiven Trainingsstrategien gefragt.

Im Interview lernen Sie:
– Warum Alex keine Lieblingsübung hat und warum diese sogar gefährlich sein kann
– Warum er nicht immer von den Methoden innerhalb seiner Trainerausbildung überzeugt war
– Welche Frage er jedem seiner Schüler vor dem Unterricht stellt und warum diese so wichtig ist und
– auf was Sie beim Fitting achten sollten

Bis zum Ende lesen lohnt sich!

BelowPar: „Kaum jemand versucht so Ski zu fahren, wie Felix Neureuther, nur der Golfer orientiert sich gern am Profi. Doch trainiert er auch so?“ So ähnlich lautete ein Satz auf Deiner alten Website. Der Golfsport scheint einfach anders zu sein, gerade weil körperliche Hürden, wie es sie in anderen, gängigen Sportarten gibt, in dem Sinne nicht vorhanden sind. Ist es das, was Dich so am Golf fasziniert?

Alex: Ich habe früher unheimlich viel Sport und vor allem Ballsport gemacht und bin dabei ohne viel Mühe immer sehr schnell, sehr weit gekommen. Ballsportarten waren schon immer mein Ding, Golf hatte ich allerdings erst einmal überhaupt nicht auf dem Schirm. Golf war für mich zu Beginn auch keine Sportart. Die sportliche Betätigung, wie ich sie vom Fußball oder Basketball kannte, fehlte mir hier komplett.

Allerdings begann mein Vater mit dem Golfen, als ich ca. 16 war. Mein Vater ist, was die sportliche Seite angeht, ein ähnlicher Typ wie ich, weshalb ich Golf auch einfach mal ausprobieren musste. Ich bin zunächst mit kompletter Abneigung an die Sache PGA Professionalherangegangen, doch das hat sich schnell gelegt, als die ersten Bälle tatsächlich flogen. Ich merkte relativ schnell, dass mir Golf viel Spaß machen kann, doch ich spielte zunächst nur unregelmäßig. Mein Vater lebt in Spanien. Immer wenn ich dort war, habe ich mit ihm gespielt und dabei viel von ihm gelernt.

Das Faszinierende war für mich, dass ich — anders als bei anderen Sportarten — nicht kontinuierlich besser wurde, sondern immer wieder ein bisschen stagnierte. Die Bewegungen fühlten sich zwar gleich an, doch das Ergebnis war teilweise ein völlig anderes und das kannte ich aus anderen Sportarten nicht. Ich war und bin immer noch von der Herausforderung fasziniert.

BelowPar: Noch einmal zurück zu Deiner alten Website. Du schreibst, dass Du sehr darauf bedacht bist, realistische Ziele für Deine Schüler zu erarbeiten. Viele Amateure haben Deiner Erfahrung nach, nicht immer die realistischsten Vorstellungen vom eigenen Potential. Woran liegt das?

Alex: Das ist eine Frage, die ich wahrscheinlich nicht ganz beantworten kann. Ich denke ein Grund ist sicher, dass Golf keine besondere, physische Hürde darstellt, beziehungsweise keine besondere physische Verfassung voraussetzt. Klein, groß, dick, dünn, jung und alt — jeder kann Golf spielen. Golf ist zweifelsohne ein Sport, den man erlernen kann. Man schlägt ja schließlich „nur“ auf einen Ball ein. Je öfter man das in Kombination mit regelmäßigen Trainerstunden macht, desto besser wird man. Zumindest sollte man das meinen. In Wahrheit gehört allerdings immer ein bisschen mehr dazu.

BelowPar: Was war denn Dein schwierigster Schüler?

Alex: Ich möchte das Wort „schwierig“ eigentlich vermeiden. Es gibt aber Schüler, die sehr skeptisch sind. Sie vertrauen mir nicht sofort und zweifeln an meiner Vorgehensweise. Ehrlich gesagt gefällt mir eine solche Situation. Ich muss nun beweisen, was ich kann. Ich sehe das als Herausforderung und als Test für mich selbst. So sehe ich, ob ich „funktioniere“. Eine spezielle Person hervorzuheben wäre falsch, doch es gibt sie bestimmt.

Es ist nicht immer leicht, Schülern zu vermitteln, dass das, was sie tun, schon sehr, sehr gut ist. Deshalb setze ich die Messlatte in Schnupperkursen auch relativ niedrig an und mache allen Teilnehmern klar, dass es nicht schlimm ist, wenn erst einmal kein Ball den Boden verlässt. Alles, was schon im Ansatz nach einem Golfschwung aussieht, ist super. Selbstverständlich entsteht hier leicht Frust, wenn die Bälle nicht sofort fliegen. Das erfordert dann etwas Fingerspitzengefühl.

Klar ist immer mal wieder jemand dabei, der den Ball auf Anhieb trifft und auch noch weit schlägt. Hier muss ich im Kurs betonen, dass alle anderen deshalb nicht weniger gut sind. Es gibt eben manche, die ihre Sache extrem gut machen.

BelowPar: Fortschritt spiegelt sich auch nicht immer unbedingt im Ballflug wieder. Vor allem wenn man Technik lernt.

Alex: Absolut.

BelowPar: Du bist ein Trainer, der spricht solche Dinge an. Du kümmerst Dich um Zielsetzung und schaust, dass Du Deinen Schülern eine gesunde Einstellung beibringst. Wie macht man das, wenn man selbst keinen Trainer, wie Dich, hat? Wie kann man so etwas alleine machen?

Alex: Wenn ein Schüler neu bei mir ist, frage ich ihn oder sie zunächst einmal, was er oder sie will. Die Frage nach dem Ziel und den Wünschen steht immer an erster Stelle. Dann frage ich ihn oder sie, wie viel Zeit er oder sie dafür aufbringen möchte. In der Woche, im Monat und im Jahr. So kann ich mir ein Bild davon machen, wie ehrgeizig der Schüler ist. Nun geht es im Dialog mit dem Schüler darum, die Schnittstelle zu finden.

Angenommen jemand spielt im Winter noch HCP 18, möchte im Sommer zum Singlehandicapper werden und dazu alle zwei Wochen eine Trainerstunde nehmen. In diesem Szenario stimmt der Zeitaufwand nicht so ganz mit dem Wunschziel überein und mein Job ist es, den Schüler darauf hinzuweisen. Es geht letztendlich darum, dass man ehrlich reflektiert und sich fragt: Kann ich ja sagen zu all den Schritten, die auf dem Weg zu meinem Ziel notwendig sind? Wer nur am Wochenende eine Runde dreht, braucht sich nicht zu ärgern, wenn er Bälle verliert.

Ich bin auch sehr ehrlich, was mein eigenes Spiel angeht. Ich kann heute selbstverständlich eine PAR-Runde spielen, ich kann morgen allerdings auch in den 80ern landen, wenn es nicht läuft. Wenn ich im Sommer viel zu tun habe, trainiere ich einmal die Woche für eine Stunde. Von nix kommt eben nix.

BelowPar: Angenommen jemand spielt HCP 20 und hat pro Woche 3-4 Mal, jeweils 1-2 Stunden Zeit fürs Training. Welchen Rat würdest Du dieser Person geben? Wie sollte man sein Training in so einem Fall strukturieren?

Alex: Beim Golf geht es letztendlich um den Score. Deshalb ist mein Rat ganz klar: 75% der Trainingszeit sollte fürs kurze Spiel aufgewendet werden. Ich mache mir gerne ein Bild davon, wie gut meine Schüler putten können, wie gut sie aus 5m, aus 20m oder aus 50m annähern können. Wer stark annähert, der muss schon nicht mehr ganz so gut putten können. Wer allerdings nach der Annäherung noch 20m weg liegt, der sollte wissen, was er mit dem Putter tut. Bei den angesprochenen Handicaps, verbirgt sich das größte Potential definitiv im kurzen Spiel. Oft auch ohne, dass es den Spielern auffällt.

BelowPar: Gerade deshalb ist es so wichtig, das eigene Spiel mess- und dadurch greifbar zu machen.

Alex: Genau. Ich habe allerdings auch Schüler, die sagen, dass sie einfach nur schön Golf spielen möchten. Denen ist der Score völlig egal. Ich hatte einen Schüler, der wollte sein Eisen 7 150m weit schlagen. Ich habe ihm zwar erklärt, dass das seinem Score nicht helfen wird, doch das war ihm egal. Er wollte, dass sein Eisen 7 150m fliegt. Wir haben dann tatsächlich eine Saison lang, einmal die Woche an seiner Länge mit dem Eisen 7 gearbeitet. Das hat er am Ende geschafft und war damit zufrieden.

BelowPar: Wo war er denn vorher?

Alex: Bei ca. 130m. Es war keine unmögliche Aufgabe, doch er hat seinen Score dabei eben völlig aus den Augen verloren. Aus diesem Grund finde ich es manchmal schwierig, generelle Tipps zu geben, denn das Beispiel zeigt, wie unterschiedlich Golfer sein können. Golfbüchern, die klar vorgeben, dass Schläger X auf Höhe von Y in dieser oder jener Position stehen muss, stehe ich deshalb ebenfalls kritisch gegenüber.

Ich hatte vor Kurzem ein Buch in den Händen, in dem stand: Der Anfänger kann beim Drive XYm weit schlagen. Da standen tatsächlich konkrete Meterangaben drin und das ist Schwachsinn. Es gibt immer Spieler, die im kurzen Spiel außergewöhnlich gut sind und dann ist mein genereller Rat nicht wichtig. Es gibt ein paar physikalische Gesetze und Grundsätze, die einfach feststehen und die man beachten muss. Ich darf den Ball beispielsweise mit einem Eisen einfach nicht in der Aufwärtsbewegung treffen – wenn er auf dem Fairway liegt.

Ein einfaches Beispiel:
Den Ball mit dem Eisen in der Abwärtsbewegung treffen — dieses Ziel gebe ich meinen Schülern vor und dann sollen sie den Weg, der sie dorthin führt, zunächst einmal selbst erfühlen. Ohne dabei großartig über Technik nachzudenken. Wenn sie das Ziel erreichen, dann war auch die Technik nicht so verkehrt.

BelowPar: Das ist ein guter Ansatz.

Alex: Dir brauche ich das wahrscheinlich nicht zu erzählen, das kennst Du aus dem Turniergolf. Wie viele Schwünge ähneln sich auf der Tour? Kaum einer. Es bringt daher nichts, wenn wir einem „idealen“ Schwungbild hinterherrennen, denn das können die Wenigsten umsetzen.

BelowPar: Das wollte ich Dich ohnehin fragen. Zuerst einmal: Den Ansatz finde ich sehr cool, denn ich hatte zu meinen Kaderzeiten einen Trainer, der hat vor einer wichtigen Turnierrunde noch z.B. an meiner Schlägerposition im Totpunkt rumgedoktert. Dabei hat er sogar Hand angelegt und den Schläger von der „falschen“ in die „richtige“ Position bewegt. Dementsprechend war dann auch die darauffolgende Runde. Ist eine Trainerausbildung tatsächlich so techniklastig?

Alex: Wenn Du mir die Frage zu Beginn meiner Ausbildung gestellt hättest, hätte ich diese sofort mit ja beantwortet. Ich bin deswegen auch ein bisschen angeeckt. Ich hatte in meiner Prüfung beispielsweise eine Schülerin mit HCP 26, die stark gegen den Slice kämpfte. Ihr letzter Schlag der Stunde war ein leichter Draw und das mit dem Holz 3 vom Boden. Unterm Strich gab es für sie kein besseres Ergebnis, doch ich bekam von den Prüfern dafür die Note 3.

Die 3 bekam ich deswegen, weil ich methodisch scheinbar nicht richtig gehandelt hatte. Ich hatte die Frau zuerst Bälle vom Tee, dann vom Boden und dann wieder vom Tee schlagen lassen und das war methodisch aus Sicht der Prüfer falsch. Indem ich das Tee ein zweites Mal ins Spiel brachte, nahm ich ihr jedoch den Druck, sodass sie sich Gedanken über meine Ideen machen konnte. Es wird definitiv ein Schema F vorgegeben. Wenn ich in der Trainerstunde jedoch schematisch vorgehe, dann lasse ich den Ballflug teilweise komplett außer Acht.

Viele Coaches, die ich während meiner Ausbildung kennen gelernt habe und, die damals von diesen Methoden überzeugt waren, sagen mir heute, dass sie den Fokus eher auf das Fühlen der Bewegung und auf motorisches Lernen legen. Ergebnisorientiertes Training kommt immer mehr in Mode und bei manchen hat sich die Einstellung dazu komplett gewandelt.

Man stellt allerdings auch schnell fest, dass es in diversen YouTube Kanälen und Golfbüchern nur um das Thema Technik geht. Das Thema wird nie alle Golfer gleichzeitig ansprechen, doch es ist verständlich, dass es so verbreitet ist. Es gibt immer mehr Messgeräte zur Analyse des Schwungs. Man ist stolz darauf, all diese verschiedenen Werte und Zahlen zu bekommen und das ist auch gut, solange man sich nicht zu sehr darauf fixiert.

BelowPar: Das macht Sinn. Ein Slice hat eine klare Ursache. Wenn jemand an Loch 16 regelmäßig einbricht, dann ist die Ursache nicht so deutlich. Auch interessant finde ich, dass die Trainer, die sich so sehr auf Technik fixieren, früher ja selbst mal Spieler waren und daher eigentlich wissen sollten, wann man das Thema ansprechen und wann man das Thema besser nicht ansprechen sollte.

Die Jungs, mit denen ich im College zusammen gespielt habe und die danach Assistenztrainer wurden, übernahmen als Coaches auf einmal die Angewohnheiten des Head Coaches, die ihnen als Spieler überhaupt nicht zugesagt haben. Daher die Frage.

Alex: Ich habe in meiner Ausbildung zu vielen Dingen ja gesagt, zu denen ich innerlich nein gesagt habe, denn sonst wäre ich nicht durch die Prüfungen gekommen. Ich hatte im Fach Videoanalyse beispielsweise 45 Minuten Zeit, um einen Schwung zu analysieren, jeden Fehler zu finden und für jeden Fehler einen Lösungsvorschlag zu bieten. Die meisten Trainer nehmen das natürlich mit. Doch wenn Du in den Unterricht zu einem noch etwas unsicheren Schüler mit HCP 30 gehst und all seine 10 Fehler aufzählst, dann kommst Du nicht weit.

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BelowPar: Wir können ja auch nur 1-2 Dinge gleichzeitig umsetzen.

Alex: Die meisten Amateure trainieren- wenn überhaupt – nur einmal die Woche mit dem Trainer. Selbst wenn ich alle 10 Fehler finde und benennen kann, heißt das noch lange nicht, dass ich meinen Schülern damit einen Gefallen tue. Ich arbeite mit Schülern manchmal 4 Wochen lang an einem Aspekt und stelle immer dieselben Fragen; zum Beispiel: Wie muss der Schläger den Ball treffen? Wo müssen dazu Deine Hände sein und welche Bewegung hilft Dir dabei? Wenn der Schüler das Ziel kennt, dann kann er selbständig zusehen, wie er dorthin kommt. Ich vergleiche das gerne mit dem Autofahren:

Ich möchte beim Autofahren an ein Ziel. Wie ich dahin komme, sprich ob ich über die Landstraße oder die Autobahn fahre, ist egal. Wichtig ist, dass ich ankomme. Natürlich gibt es die schnelle oder die schönere Panoramastraße, doch im Endeffekt muss ich ankommen und wissen warum. Und ich muss mich zu diesem persönlichen Weg bekennen.

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Zeigt die Schlagfläche nach links, fliegt der Ball eben auch nach links. Das klingt banal, doch ich finde es sehr wichtig, dass jeder die grundlegenden Gesetze des Golfschwungs versteht, bevor er sich mit irgendwelchen Handgelenks-Stellungen befasst.

BelowPar: Du hast vorhin Bücher angesprochen. Hast Du ein Lieblingsbuch?

Alex: Ich habe ein ewiges Lieblingsbuch: „The Pro“ von Butch Harmon. Harmon ist ein moderner Trainer, der nie das Ursprüngliche aus den Augen verliert. Es gehört viel dazu, Tiger Woods zu trainieren und dann zu Hank Haney ziehen zu lassen.

Harmon hat verstanden, dass es sein Job als Trainer ist, den Schüler besser zu machen — auch wenn das bedeutet, dass der Schüler den Trainer wechselt. Das zeigt, was er für ein klasse Coach ist. Das ist ein Buch, das ich immer wieder aus dem Regal ziehe. Die Art und Weise, wie er Aufgaben gibt, ist faszinierend. Tiger hat selbst gesagt, dass er Übungen mit Harmon immer und immer wiederholen musste.

Als Trainer möchte man den Schüler nicht langweilen und scheut deshalb etwas vor Wiederholung zurück. Am Anfang meiner Trainerkarriere ging es mir definitiv so. Man probiert immer wieder etwas Neues, um zu vermeiden, dass der Schüler denkt, man habe als Trainer nichts drauf. Ohne Wiederholung geht es allerdings nicht.

BelowPar: Hast Du eine Lieblingstrainingshilfe oder App?

Alex: Eine Lieblingstrainingshilfe habe ich nicht. Ich arbeite gerne mit kleinen Bildern, mit denen ich die Schwungbahn markiere. Wenn ein Schüler zum Beispiel mehr von innen nach außen schwingen soll, lege ich gerne einen Ball in die Ecke, der dem Schüler als optische Orientierung dient. Es gibt wenig Fälle in meinem Unterricht, in welchen ich ohne Trainingshilfe nicht da hin komme, wo ich hinmöchte.

Ich baue meine Schüler ungern mit Trainingshilfen zu. Kommt ein Schüler jeden Tag für jeweils 2 Stunden zu mir, dann gewöhnt sich der Körper so vielleicht an die Bewegung. Kommt derselbe Schüler jedoch nur einmal im Monat zu mir, so weiß er beim nächsten Mal gar nicht mehr, was ich da alles hingestellt habe.

Klar kommt auch mal ein Schaumstoffteil zum Einsatz, das man nicht treffen darf, doch mir ist es wichtiger, dass der Schüler weiß, warum er eine Bewegung ausführen soll. Deshalb fällt mir so spontan auch keine Lieblingshilfe ein, auch wenn Trackman & Co. natürlich hilfreich sind.

BelowPar: Hast Du eine Lieblingsübung? Vielleicht eine, die Du selbst ganz gerne machst, wenn Du trainierst.

Alex: Ich lege mich ungern auf eine Übung fest. Wenn ich selbst eine Lieblingsübung habe, dann bin ich dazu geneigt, jedem Schüler exakt diese Übung aufs Auge zu drücken. Oft spiegelt sich der Stil des Trainers im Schüler wider. Das möchte ich vermeiden, indem ich objektiv an jeden Schüler herangehe und mich frage: Was braucht er/sie von mir und wie gehe ich das am besten an? Ich nehme auch gerne Tipps von Kollegen an und probiere diese aus. Ich bin grundsätzlich sehr offen und das hilft mir dabei, mich objektiv auf die verschiedenen Schüler einzustellen.

Ich finde zum Beispiel den Leiterputt gut, denn viele Amateure haben Probleme mit der Distanzkontrolle beim Putten. Korridore und verschiedene Ziele sind auch immer hilfreich. Die Übungen, die ihr vorstellt, treffen absolut meinen Geschmack, eine Lieblingsübung habe ich trotzdem nicht. Dafür aber eine Lieblingsfrage.

BelowPar: Welche ist das?


Alex: Ich frage jeden neuen Schüler, wie der Ball mit dem Eisen seiner Meinung nach getroffen wird. In der Aufwärtsbewegung, am tiefsten Punkt des Schlägers oder in der Abwärtsbewegung? 80% beantworten die Frage falsch. Stelle ich diese Frage zu Beginn nicht, so baue ich mein komplettes Training auf einem Missverständnis auf.

BelowPar: Auf was tippen denn die meisten?

Alex: Auf die Aufwärtsbewegung und einige auch auf den tiefsten Punkt. Das ist fast schon erschreckend und deshalb ist die Frage so wichtig. Ohne die Frage ist es egal, welchen Tipp ich gebe— am Ende denkt der Schüler, er müsse den Ball nach oben schlagen und sabotiert sich unterbewusst. Ich denke, der Schüler kann meine Ideen nicht umsetzen und der Schüler denkt, dass ich ihm überhaupt nicht weiterhelfe.

BelowPar: Du hast vorhin den Trackman angesprochen. Wie nutzt Du den Trackman beim Fitting? Hintergrund der Frage ist folgender: Ich kenne zwei Meinungen. Die, die bei jedem Fitting unbedingt auf den Trackman bestehen und die, die sagen, dass ein Trackman erst ab einer bestimmten Spielstärke Sinn macht. Die Schwunggeschwindigkeit eines Anfängers ist in der Videohütte oft ganz anders als auf dem Platz — gerade unter Druck. Fittet man für eine Schwunggeschwindigkeit, die sich zu leicht und zu oft ändert, kommt es langfristig zu Problemen.

Alex: Ich bin auch etwas zweigespalten, was den Trackman angeht und empfehle ihn auch nicht bei jedem Fitting. Das, was Du eben angesprochen hast, ist definitiv richtig. Manche Männer, die zu mir in den Unterricht oder zum Fitting kommen, konzentrieren sich zu sehr auf den Carry-Wert eines Schlages und versuchen jeden Ball so weit rauszuhauen, als möglich. Darunter leidet dann natürlich die Bewegung und damit verfehle ich das Ziel des Fittings, beziehungsweise des Unterrichts.

Das ganze Thema Fitting wird auch immer größer. Ich kann am Demo-Day 50 verschiedene Schaft-Kopf-Kombinationen ausprobieren und weiß am Ende immer noch nicht zu 100%, was das Richtige für mich ist. Wenn ich für mich selbst neue Schläger suche, schnappe ich mir 2,3 Modelle, von denen ich denke, dass sie mir ungefähr passen werden und verlasse mich während des Testens auf mein Gefühl. Ich weiß zwar, dass es irgendwo nochmal ein oder zwei Modelle gibt, die gut für mich wären, doch es gibt auch immer nochmal 2 oder 3 T-Shirts, die mir gefallen.

Anfängern gebe ich deshalb ein Modell in die Hand, das meiner Meinung nach passt. Erst wenn der Spieler vom Gefühl her ja zu diesem Modell sagt, können wir mithilfe des Trackmans ein paar Werte und Zahlen überprüfen.

Vor 50 Jahren hat man überhaupt nicht gefittet und damals waren die Scores auch nicht schlechter. Ich kann mich noch an die ganzen Sätze erinnern, auf die ich während meiner Ausbildung Griffe aufziehen musste. Da gab es Stiff-, Regular-, Ladies- und Seniorenschäfte. Das wars. Und die Leute haben auch gutes Golf gespielt. Ich glaube sogar, dass die Leute, die früher angefangen haben, die besseren Golfer sind. Damals wurde auf andere Sachen Wert gelegt. 18 Loch Turniere zum Beispiel.

Heute macht man es Spielern in vieler Hinsicht leichter und ich finde, das sieht man auf den Golfplätzen. Ein Handicap 20 Spieler vor 15 oder 20 Jahren, ist oft besser und vor allem stabiler, als ein Handicap 20 Spieler von heute.

Ein Schläger muss auf alle Fälle zum Spieler passen. Loft, Lie, Länge und Schaft müssen stimmen, doch übertreiben möchte ich es beim Fitting nicht. Das soll allerdings nicht heißen, dass die ganzen Fitting-Teams keinen guten Job machen.

BelowPar: Fällt Dir spontan eins ein? Ich habe meine Schläger im College immer recht günstig bekommen, war jedoch vor meiner Zeit in den USA bei einer Firma in München und habe mir einen Satz individuell anfertigen lassen. Die Firma gibt es heute leider nicht mehr, doch die Gründungsgeschichte ist interessant. Die Firma entstand, weil sich der Gründer einen neuen Satz von Titleist bestellt hatte. Diesen hat er spaßeshalber in eine Werkbank gespannt und gedreht, um zu gucken, ob die Schäfte auch rund sind. Waren sie nicht. So begann er sein Baukasten-System, mit dem ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

Alex: Ich stehe in gutem Kontakt zu einem meiner Mannschaftsspieler, der bei HIO-Fitting ist und gute Erfahrungen gemacht hat. Die Jungs machen einen super Eindruck. Sie spezialisieren sich auf Schläger, die man in der Regel nicht bei den bekannten Golf Shops findet. Ob man pauschal jedoch sagen kann, dass ein Titleist oder Callaway Driver schlechter ist, als Krank oder Vega, sei mal dahingestellt. Mit Titleist oder Callaway kann man allerdings keinen neuen Markt mehr eröffnen.

Ich glaube nicht, dass es heute noch Firmen gibt, die vom Fitting Prozess her „schlecht“ sind. Es geht in erster Linie um das Material, das sie verkaufen. Wie du bereits angesprochen hast, sind Schläger „von der Stange“ ab und zu unsauber verarbeitet. Oliver Heuler hat in diesem Bereich ja bereits den ein oder anderen Test gemacht und dabei teilweise erschreckende Werte erhalten.

Ich denke, letztendlich ist es die Aufgabe des Golfers, das beste aus seinem oder ihrem Material zu machen. Ich habe schon super Runden mit kaum oder gar nicht gefitteten Schlägern gespielt und furchtbare Runden mit meinen jetzigen Schlägern, die wahrscheinlich am besten gefittet sind.

BelowPar: Habe ich Dich irgendetwas nicht gefragt, das Du noch gerne loswerden möchtest? Hast Du eine abschließende Message?

Alex: Das ist eine gute Frage. Fixier Dich nicht so sehr auf den Schwung, ist meine abschließende Message. Ich sehe Leute teilweise irgendwelche Verrenkungen machen, die sie wahrscheinlich im Fernsehen aufgeschnappt haben, die allerdings überhaupt nichts bringen. Der Ballflug, nicht der Schwung, muss im Vordergrund stehen. Probier doch einfach mal intuitiv einen Hook zu schlagen, wenn Du gegen den Slice kämpfst, anstatt eine bestimmte Position im Rückschwung zu erreichen. „Was kann ich tun, damit mein Ball beim nächsten Schlag nach links fliegt?“ ist meiner Meinung nach sinnvoller, als der Versuch eine „korrekte“ Position zu erlangen.

Dieser Ansatz funktioniert bei mir im Unterricht sehr gut und nimmt den Schülern eine enorme Last. Es geht nicht darum, 5 verschiedene Checkpunkte zu beachten, sondern um Gefühl und Verständnis. Dadurch steht der Schläger in den wichtigsten Positionen automatisch sehr gut.

Konzentrier Dich auf den Ballflug und versuche, diesen zu beeinflussen. Experimentier etwas. Auf diese Art lernst Du, welches Schwunggefühl mit welchem Ballflug in Verbindung steht. Wenn dabei Fragen oder Unklarheiten aufkommen, kannst Du diese immer noch mit dem Pro klären. Doch dann unterhältst Du Dich von vornherein auf einem ganz anderen Level, verstehst Zusammenhänge und Ursachen deutlich besser. Das ist meine abschließende Message.

BelowPar: Versuch doch einfach mal einen Hook zu schlagen, wenn sich der Slice bemerkbar macht. Dieser Tipp hat mir immer sehr geholfen. Diesen Ansatz beschreibt auch Timothy Gallwey in seinem Buch „The Inner Game of Golf“ sehr ausführlich und ich glaube, das ist ein sehr guter Weg.

Alex, wo können wir mehr über Dich erfahren?

Alex: Ich bin auf Facebook unterwegs und habe meine eigene Website, auf der man auch alle Infos zu meinen Golfreisen findet. Zusätzlich werde ich künftig mehr auf YouTube machen.

BelowPar: Den Kanal verlinken wir dann natürlich gerne, wenn es soweit ist. Alex, vielen Dank, dass Du dir die Zeit genommen hast!

Wenn Ihnen das Interview mit Alex Stohr gefallen hat, können wir Ihnen unseren Newsletter nur ans Herz legen. Dort bekommen Sie Beiträge und Interviews, wie dieses, schon vor allen anderen Lesern bequem per E-Mail zugeschickt. Zudem haben wir dort einige unserer besten Übungen, Taktiken und mentalen Strategien zusammengefasst. Heben Sie Ihr Spiel auf das nächste Level und tragen Sie sich hier mit Ihrer E-Mail Adresse ein: