Was Sie über das Putten wissen sollten

Golfball und Fahne auf dem Grün

„Drive for show, putt for dough“ lautet ein amerikanisches Sprichwort, das auf die Wichtigkeit des Puttens hindeutet. Gute Drives sind zwar nicht ausschließlich zur Show, gute Putts allerdings unabdingbar für eine erfolgreiche Runde. Ein verzogener Drive lässt sich durch die weiteren Schläge korrigieren, ein verpasster Putt nicht.

Wenn wir von einer theoretisch einwandfreien Even Par Runde auf einem herkömmlichen 72-Loch Platz ausgehen, so schlagen wir insgesamt 14 Drives, 4 Fairwayhölzer und 18 Eisen ins Grün. Dabei machen wir 36 Putts. Allein das Putten macht in diesem Beispiel 50 % der 72 Schläge aus. Dieses Beispiel ist damit keinesfalls die Ausnahme. Nehmen Sie sich einer Ihrer letzten AGAPS  zur Hand und rechnen Sie nach! Auch wenn Sie den Driver an allen Par 4 und 5 Löchern zücken, so bilden Drives nur knapp 20 % der Schläge einer Runde, Schläge ins Grün 25 %. Wir verwenden keinen einzelnen Schlagtyp so oft während einer Golfrunde, wie den Putt. Grund genug sich einmal ausführlich mit dem Putten zu beschäftigen.

Technik

Der Putt ist meist der erste Schlag, den Anfänger in einem Schnuppertraining lernen. Das hängt damit zusammen, dass der Putt relativ einfach auszuführen ist und der Golfer bei keinem anderen Schlag so viel individuellen Freiraum in Bezug auf die Technik hat. Beispiele aus dem Profibereich gibt es zur Genüge:

Michelle Wie macht mit gebeugter Haltung und breitem Stand auf sich aufmerksam, Sergio Garcia überzeugt mit dem Klauengriff. Daher unser Tipp: Probieren Sie Stand, Griff und Körperhaltung individuell aus und übertragen Sie Positives in Ihr Spiel. Mit folgenden 4 Dingen sollten Sie allerdings nicht experimentieren: Ausrichtung, Schwungbahn, Schlagflächenstellung und Pendeltechnik. Aber alles der Reihe nach:

Ausrichtung

Ihre Ausrichtung ist beim Putten sehr entscheidend. Wer falsch ausgerichtet ist, verfehlt das Loch oder kompensiert mithilfe der Schwungbahn. Achten Sie daher auf ihre Fußlinie und markieren Sie Ihre Bälle gegebenenfalls mit einer Linie, die Sie auf das Loch ausrichten. Falsches Ausrichten wird dadurch verhindert.

Schwungbahn

Der zweite Punkt ist Ihre Schwungbahn. Anders als im langen Spiel, entscheidet die Schwungbahn nicht zwingend über die Richtung Ihres Balles. Laut Biomechaniker Dr. Rob Neal gehen nur 18% eines erfolgreichen Putts auf das Konto der Schwungbahn. Ganze 82% gehen auf das Konto der Schlagfläche im Treffmoment. Eine geöffnete Schlagfläche im Treffmoment hat somit deutlich mehr Einfluss auf das Ergebnis eines Putts, als eine vielleicht etwas wackelige Schwungbahn. An der Schwungbahn zu arbeiten lohnt sich jedoch trotzdem. Je mehr Vertrauen Sie in Ihre Schwungbahn haben, desto einfacher wird es Ihnen fallen, die Schlagfläche neutral durch den Ball zu bewegen.

Es gilt hierbei zu beachten, dass Sie, abhängig vom Typ des Putters, mehrere Möglichkeiten haben, diesen zu schwingen. Nicht jeder Putter ist für eine bestimmte Schwungbahn gebaut. Sprechen Sie sich daher vor dem nächsten Putterkauf mit Ihrem Trainer ab und lassen Sie sich ausgiebig beraten und fitten.

Eine einfache Methode, um herauszufinden welcher Putter für welche Schwungbahn gebaut ist, ist das Balancieren des Putters auf beiden Zeigefingern. Strecken Sie beide Zeigefinger auf gleicher Höhe im Abstand von ca. 50cm aus. Die Stellung der Schlagfläche zeigt Ihnen nun, mit welcher Art des Putters Sie zu tun haben.

Ist die Schlagfläche während des Balancierens parallel zum Boden, so handelt es sich um einen face-balanced Putter. Ein face-balanced Putter fördert eine Schwungbahn, bei der sich der Schlägerkopf gerade zurück und gerade durch den Ball bewegt.

Die Spitze eines toe-balanced Putters zeigt in Richtung des Bodens, wenn Sie ihn auf beiden Zeigefingern balancieren. Je eher das der Fall ist, desto eher fördert der Putter eine bogenförmige Schwungbahn, bei der sich die Schlagfläche öffnet und schließt.

Manch eine Schwungbahn fühlt sich für einige Spieler natürlicher an, als für andere. Machen Sie es sich einfach und achten beim Putterkauf darauf, dass Ihr Putter Ihre natürliche Schwungbahn unterstützt, beziehungsweise überprüfen Sie Ihren jetzigen Putter.

Schlagflächenstellung

Die Schlagflächenstellung ist so gut wie selbsterklärend. Die Schlagfläche des Putters steht im Treffmoment am besten weder geschlossen, noch offen. Da eine um 2 Grad geöffnete Schlagfläche schon eine Abweichung von mehreren Zentimetern auf längere Distanz haben kann, wird die Stellung der Schlagfläche oft als das technische A und O des Puttens bezeichnet. Denken Sie an die 82%, die sich aus den Messungen von Dr. Neal ergaben. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen im Folgenden eine einfache Möglichkeit vorstellen, um diesen Bereich des Puttens zu verbessern. Wer sich intensiver mit dem Thema der Schlagfläche befassen möchte, dem können wir diesen Beitrag (3 Übungen für die richtige Schlagflächenstellung des Putters) nur ans Herz legen.

Eine einfache Möglichkeit diesen Bereich des Puttens zu verbessern, bietet ein Schlagband aus dem Baumarkt. Mithilfe eines Schlagbandes lassen sich im Handumdrehen gerade Kreidelinien auf diversen Oberflächen erstellen. Um ein Schlagband auf dem Puttinggrün effektiv zu verwenden, spannen Sie es vom Loch bis Sie die gewünschte Distanz Ihres Putts erreicht haben. Hierzu fixieren Sie das Schlagband am Loch mit einem Tee oder Sie bitten jemanden, das Endes des Schlagbandes für Sie festzuhalten. Rollen Sie die Schnur ab, fixieren Sie das Band auf dem Grün und heben es an. Wenn Sie die Schnur nun loslassen, schnalzt die Schnur zurück auf das Grün und hinterlässt eine gerade Kreidelinie. Diese gibt Ihnen enorm wertvolles Feedback, wenn Sie nun beginnen Putts über, beziehungsweise auf der Kreidelinie zu putten.

Wichtig hierbei ist, dass Sie an das Break eines Putts denken. Es ergibt nur Sinn eine gerade Linie von der Mitte des Loches zu ziehen, wenn der Putt auch wirklich gerade ist. Möchten Sie Putts mit Break spielen, so sollten Sie die Kreidelinie (je nach Break) außerhalb des Loches ansetzen. Testen Sie das Break eines Putts bevor Sie die Schnur spannen, um ein erneutes Spannen bei falsch eingeschätztem Break zu vermeiden.

Der Kerngedanke dieser Übung ist das sofortige Feedback, das Sie bekommen, wenn Ihr Putt nicht auf der Kreidelinie startet. Ist Ihre Schlagfläche im Treffmoment geschlossen oder geöffnet, so startet Ihr Putt links oder rechts der Linie. In beiden Fällen sind Sie allerdings schon beim nächsten Putt in der Lage bewusste und unterbewusste Korrekturen vorzunehmen. Um Ärger mit den Greenkeepern brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, denn die Kreide ist spätestens beim nächsten Regen wieder vollständig verschwunden.

Pendeltechnik

Last, but not least widmen wir uns der bereits erwähnten Pendeltechnik. In der Tat kann man einen guten Putt als rhythmische Pendelbewegung bezeichnen, bei der die Hände und Arme komplett ruhig bleiben. Der Schlägerkopf schwingt in ähnlichem Tempo zurück und wieder vor. Ein solcher, gleichmäßiger Rhythmus macht die Technik kontrollier- und wiederholbar. Achten Sie beim Pendel darauf, dass Ihre Schulter und Rückenmuskulatur das Pendel in Gang setzt, keinesfalls Ihre Hände, oder Ihre Arme. Schultern, Arme und Hände bilden in der Ansprechposition ein Dreieck, welches als einziger Teil des Körpers während des Putts aktiv ist.

Training

Denken Sie einen Moment zurück an das Beispiel mit der theoretisch einwandfreien Even Par Runde. Das Putten macht rund 50 % der Schläge auf einer Runde aus birgt damit auch das theoretisch größte Potential für Verbesserungen. Behalten Sie das im Hinterkopf, wenn Sie das nächste Mal auf dem Trainingsgelände Ihres Heimatplatzes sind. Folgen Sie diesem Link und Sie gelangen zu unserer Kurzspiel Rubrik, die wir ständig mit neuen Puttübungen erweitern.